MARKT KLEINWALLSTADT
MARKT KLEINWALLSTADT
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Fachwerk
Das Fachwerk war früher die bevorzugte Bauweise der wenig begü-
terten bäuerlichen Bevölkerung. Erst in der Folgezeit konnte man es
sich leisten, Wohnhäuser, Scheunen und Stallungen mit Sandstein
aus den örtlichen Steinbrüchen zu errichten.
Altfränkische Torbögen
Schmucke altfränkische Torbögen prägten einst das Ortsbild der
Gemeinde. Noch zehn solcher Einfahrten sind erhalten. Die ältesten
von ihnen gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück.
Ortsmauer
Reste der alten Wehrbefestigung aus dem frühen 14. Jahrhundert
mit zwei erhaltenen Schalentürmen, Mauern und Schießscharten
dokumentieren die ehemalige verwaltungspolitische Bedeutung
der Marktgemeinde im Mainzer Kurfürstentum.
Rotes Kreuz
Das Rote Kreuz, eine aus rotem Sandstein gefertigte Kreuzigungs-
gruppe mit zwei Assistenzfiguren, steht neben der Straße vor der
Rohe‘schen Altenheim-Stiftung. Die eingravierte Jahreszahl 1606
verrät das Alter der Steinmetzarbeit, während das Wappen des
Mainzer Kurfürsten Schweikard von Kronberg (1604-1626) am
Fuße des senkrechten Kreuzbalkens auf den möglichen Stifter
hinweist.
Das Alte Schloss
Das „Alte Schloss“ im Kleinwallstädter Forst war einst eine mittelal-
terliche Burganlage aus dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts.
Mit ihrer bis zu zehn Meter hohen Umfassungsmauer war sie eine
der mächtigsten Burgen im Spessarter Raum. Nur bis etwa 1270
war die Burg bewohnt. Dann wurde sie nahezu dem Erdboden
gleichgemacht. Über die Hintergründe dieser systematischen Zer-
störung und über die Erbauer sind sich die Fachleute bislang nicht
einig. War es eine Burg der Mainzer Kurfürsten oder kommen als
Bauherren die Grafen von Rieneck in Frage? Eine endgültige Ant-
wort muss zunächst offen bleiben.
Der „Scherenstein“ und seine Geschichte
Der im Volksmund als „Scherenstein“ bekannte Sühnestein stammt
vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. Der Überlieferung nach er-
innert er an ein Beziehungsdrama, bei dem zwei Schwestern aus
Eifersucht mit Schere und Sichel sich gegenseitig den Tod gaben.
Wahrscheinlich aber deutet die eingemeißelte Schere nicht auf ein
Tötungswerkzeug hin, sondern auf eine Person namens Scheer
oder Scherer, die den Stein einst errichtete. Der Gekreuzigte auf
der Vorderseite und der Auferstandene auf der Rückseite des Steins
stehen für Leiden, Auferstehung und Himmelfahrt, an die der Stein-
setzer seine eigene leidvolle Lebensgeschichte zu binden versuchte.
Gasthäuser
Eine ganze Reihe von Gasthäusern, Restaurants und Bistros laden
Einheimische und Besucher zur Einkehr ein. Einige von ihnen kön-
nen auf eine lange Geschichte zurückblicken.
Das ehemalige „Gasthaus zur Traube“ auch einst mit eigener
Brauerei - besitzt eine weit zurückreichende Geschichte, kann da-
bei jedoch eine historische Besonderheit aufweisen.
In den 1840-er Jahren war Adam Dölger Wirt des Gasthauses. Es
war eine von politischen Umwälzungen und wirtschaftlicher Not
geprägte Zeit, die viele deutsche Bürger aus dem Lande trieb. Vier
von sieben Söhnen des Traubenwirts, Josef, Anton, Franz und Pe-
ter, machten sich auf, um in der Neuen Welt eine neue Heimat zu
finden. Die vier Auswanderer ließen sich in New York nieder und
stiegen, da von Haus aus gelernte Bierbrauer, in das Braugeschäft
ein. Josef und Peter Dölger gründeten ihre eigenen Brauereien und
kamen zu Reichtum und Wohlstand.
Josef, der älteste der Dölger-Brüder, hatte zwei Söhne und eine
Tochter. Sohn Jacob heiratete eine Christiana Brimier und hatte mit
ihr sechs Kinder. Tochter Matilda Dölger heiratete den Preisboxer
John Patrick West. Aus dieser Ehe gingen wiederum vier Kinder her-
vor. Eines davon war Mary Jane West, der spätere weltberühmte
Film- und Bühnenstar Mae West.
Seit 1884 war die Traube im Besitz der Familie Rittger. Als letzter
Traubenwirt hat Edgar Rittger mit seiner Frau Gisela bis 2015 das
Gasthaus bewirtschaftet.
Kultur und Geschichte
rund um den mer
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Altes Rathaus am Römer
Das Alte Rathaus wurde laut einer steinernen Inschriftentafel im
Jahre 1773 errichtet. Es beherbergte im Erdgeschoss die technische
Ausrüstung der Feuerwehr, im Obergeschoss die Verwaltungsräu-
me. Eine Reihe von Umbaumaßnahmen veränderte immer wieder
das Gesicht des historischen Amtsgebäudes.
Ölbergkapelle
Die barocke Ölbergkapelle, entstanden im späten 17. Jahrhundert
in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche, war über einen langen
Zeitraum Grablege der Adelsfamilie der Berninger und letzte Ru-
hestätte von mindestens fünf Ortsgeistlichen. Sie wurde 1925 zu
einem Kriegerdenkmal umgestaltet. Der Altar mit dem Gefallenen-
denkmal trägt eine Pieta, die vielleicht aus dem 16. Jahrhundert
stammt und früher das seitliche große Grabmal krönte.
Christkönigskapelle
Fünf Kleinwallstädter Geschäftsleute fassten 1928 den Entschluss,
im Wald auf dem Plattenberg eine Kapelle zu erbauen. Entlang des
„Armuthswegs“ wurden zunächst 14 Kreuzwegstationen errichtet.
Im Jahr 1930 nahm man dann den Bau der Kapelle vor, die 1931
fertiggestellt wurde. An ihrem Standort an der Bildeiche treffen
mehrere Waldwege zusammen. Nicht zuletzt der persönliche Ein-
satz vieler Ortsbürger, Handwerker und Geschäftsleute und deren
Großzügigkeit bei der kostenlosen Bereitstellung von Baumaterialien
und Ausstattungsobjekten im Laufe der Kapellengeschichte machen
das kleine Gotteshaus mit den Kreuzwegstationen auf dem Platten-
berg so schätzenswert.
Kriegerdenkmal
Das Kriegerdenkmal neben der Kirche St. Peter und Paul erinnert
an die Opfer der letzten Kriege (1870/71 Deutsch-Französischer
Krieg, 1914-18 Erster Weltkrieg, 1939-45 Zweiter Weltkrieg).
Hofstetten besitzt eine eigene Kriegergedächtnisstätte auf dem
Friedhof des Ortsteils.
Templerhaus
Das sogenannte Templerhaus“ zählt zu den ältesten Profangebäu-
den Mainfrankens. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet,
blieb trotz einiger Umbauten ein großer Teil des Hauses bis heute
erhalten. An der Südfassade lässt sich noch heute erkennen, wie
das Haus ursprünglich einmal ausgesehen haben muss. Das Ehe-
paar Anja und Dr. Axel Schnabel hat dieses Baudenkmal erworben
und mit großem Engagement und viel Idealismus saniert und so vor
dem Verfall gerettet.
Im Zuge der umfangreichen Instandsetzungsmaßnahmen wurde
das Dachwerk ertüchtigt und das Dach mit historischen und neu-
en, handgestrichenen Biberschwanzziegeln eingedeckt. Historische
Putzschichten wurden gesichert. Die prägende Umgestaltung von
1567 wurde zum Ausgangspunkt für die farbige Neufassung der
Außenfassaden. Auch im Inneren wurde die Befundlage bei der
Restaurierung beachtet. Reste der mittelalterlichen Farbfassungen
wurden konserviert und in die Neugestaltung eingebunden.
Die geschichtsträchtige Vergangenheit
des Marktes Kleinwallstadt spiegelt
sich besonders im historischen Ortskern
rund um das Alte Rathaus am Römer
und die Pfarrkirche wieder.
Fachwerk
Kriegerdenkmal
Fachwerkhaus mit altfränkischem Torbogen und Ortsmauer
Rotes Kreuz
Altes Rathaus am Römer
Templerhaus
Scherenstein Altfränkischer Torbogen
Das Alte Schloss
UNSER ORT